Seminar Deutscher Kolonialismus

Am kommenden Samstag, den 8. Dezember holen wir das Seminar zum Thema „Deutscher Kolonialismus“ nach. Zusammen wollen wir uns die deutsche Kolonialgeschichte erarbeiten. Dabei wird diese, mit der anderer europäischer Staaten verglichen. Über Klärung der Rolle von Kolonien für das deutsche Kaiserreich wollen wir uns auch anschauen, wie viel diese zum Ausbruch des 1. Weltkrieges beitrugen und welche Bedeutungen die Kolonien nach dem 1. Weltkrieg hatten. Auch welche neuen Strategien die deutsche Politik genutzt hat, wie sich diese gewandelt haben und wie Deutschland bis heute Länder des globalen Südens in seiner Abhängigkeit behält, sowie daraus Vorteile zieht.

Auf letzteren Punkt gehen wir Januar, bei nächsten Seminar zu neuen kolonialen Strategien nochmal genauer ein.

Los geht es ab 11 Uhr mit einem gemeinsamen Frühstück. Start des Seminars wird gegen 12 Uhr sein und voraussichtlich 4-5 Stunden gehen. Kommt rum.

2012

Internationales Workcamp 2012 – 04.08.2012-19.08.2012

Ein Kernpunkt der Arbeit des Alternativen Jugendprojekts 1260 e.V. ist junge Menschen zur Selbstorganisation zu befähigen. Da wir in unseren Projekten stets eine demokratische Teilhabe fördern und rassistisches, sexistisches und homophobes Verhalten abbauen wollen, war das internationale Workcamp mit 20 Jugendlichen verschiedenster Sozialisation eine perfekte Konstellation, um voneinander zu lernen, Unterschiede zu akzeptieren und auch selbstkritisch die eigenen Vorurteile zu hinterfragen und abzubauen.

Eine Diskussion über gesellschaftlich zugeschriebenen Geschlechterrollen wurde zum Beispiel bei körperlich belastenden Arbeiten und beim Kochen geführt. Zu Beginn kam von einigen Teilnehmerinnen oft die Frage „Where are the boys?“, wenn schwere oder sperrige Dinge getragen werden mussten. Nach Ermutigungen oder dem Vorleben durch die Teamerinnen oder Aktiven aus dem „Horte“ merkten die Teilnehmerinnen bald, dass es an der Eigeninitiative und dem „sich trauen“ liegt und nicht am Geschlecht. Solche Nachfragen wurden mit der Zeit weniger. Konkret war unser Ziel, den Teilnehmer*innen so viel wie möglich Selbstbestimmung zu ermöglichen, sodass sie ihren Tagesablauf, die Organisation des Einkaufs, Reinigungsarbeiten und Kochens und auch der Arbeiten und ihrer Freizeit als Gruppe aushandeln können. Da dies auch das Prinzip unserer täglichen Vereinsorganisation ist, wurde den Teilnehmer*innen zu Beginn das Haus vorgestellt, die Geschichte beleuchtet und die Entscheidungsfindung im Haus erklärt. In Absprache mit den beiden Teamerinnen wurden die Teilnehmer*innen  nach und nach zu einer Camp-Organisation befähigt, die sie nach ihren Bedürfnissen selbst gestalten konnten. Bis eine Entscheidung der Gruppe  zustande kam, mussten die Einzelinteressen und -bedürfnisse der Jugendlichen aber erst einmal kommuniziert und in der Entscheidung berücksichtigt werden.
Zu Beginn war eine Selbstorganisation für die Jugendlichen noch ungewohnt – es wurde oft auf Anweisungen oder Vorgaben gewartet. Als von den Teamerinnen wiederholt verdeutlicht wurde, dass die Bedürfnisse der Teilnehmer*innen wichtig und ausschlaggebend für die Organisation des Camps sind, trauten sich nach und nach alle, diese auch zu äußern und gemeinsam den Alltag zu planen.

Bevor es mit den beiden hauptsächlichen Arbeitseinsätzen losging, fuhren wir mit den Teilnehmer*innen und einigen jungen Menschen aus dem Horte mit dem Fahrrad nach  Klosterdorf, um die Kommune „ÖkoLea“ zu besuchen und uns über diese alternative Art des Wohnens und Arbeitens zu informieren und in der dort betriebenen Holzofen-Bäckerei selbst Brot  und Pizza zu backen. Für die meisten Teilnehmer*innen war dies der erste Einblick in alternative Wohn- und Lebensmodelle; sie stellten viele Nachfragen und gaben an, dass es eine einmalige Erfahrung gewesen sei, das Leben und die Motivation der dortigen Bewohner so nah und authentisch miterlebt zu haben. Die recht großen Mengen an selbstgebackenem Brot (Holzofenbrot hält sich auch wesentlich länger, als industriell produziertes) führten neben einem sparsamen Umgang mit den gekauften Lebensmitteln und der Ernte von frischem Obst und Gemüse aus unserem Garten zu den verminderten Ausgaben für die Essensversorgung.

Lehmofenbau

Der Bau des Lehmofens auf einem Aktivspielplatz in Strausberg während der ersten Woche war ein gelungenes Gemeinschaftsprojekt, bei dem Teamwork und voneinander lernen im Vordergrund standen. Es mussten Backsteine verlegt und ein Lehmgemisch für die Ziegel angefertigt werden. Dazu wurde Lehm, Sand, Heu und Wasser mit den Füßen vermengt und danach in Holzformen zu Ziegelsteinen geformt, die dann an der Luft trockneten. Alle Teilnehmer*innen arbeiteten an verschiedenen Arbeitsstationen und gaben denen, die gerade mit einer für sie neuen Aufgabe begonnen hatten, Tipps und Ratschläge. Beim ersten Anlauf stürzte der Lehmofen leider zur Hälfte ein. Die Teilnehmer*innen waren jedoch motiviert und nach einer gemeinsamen Beratungsrunde entschieden alle gemeinsam, zusätzlich am Samstag zum Spielplatz zu fahren, um den Ofen fertig zu stellen. Beim zweiten Anlauf klappte es schließlich und jetzt kann der Lehmofen von den Kindern und Jugendlichen, die den Aktivspielplatz besuchen, zum Pizza backen genutzt werden.

Fahrradkino

In der zweiten Woche wurde mit Begleitung von 2 Studenten der TU Berlin ein Fahrradkino gebaut, welches dazu dient, den Strom zum Film schauen komplett selbst durch Muskelkraft zu erzeugen.  Durch eine öffentlich ausgeschriebene Fahrradsammelaktion haben wir von vielen Anwohner*innen Strausbergs und Umgebung alte Fahrräder gespendet bekommen. Diese wurden wieder fahrtüchtig gemacht, also Felgen oder Schläuche ausgetauscht bzw. geflickt, Bremsen repariert, Ketten geölt und Pedalen gerichtet. Schon bei der Fahrradtour nach Klosterdorf zeigte sich, dass alle Teilnehmer*innen viel Spaß am Fahrradfahren hatten und so oft wie möglich die bereitgestellten Fahrräder für Einkäufe oder Ausflüge nutzten. Die meisten lernten also gleich noch, wie sie selbst kleinere Reparaturen an Fahrrädern vornehmen konnten. Da es für alle Beteiligten das erste Mal war, dass so ein Kino gebaut wurde, trafen wir auf viele unerwartete Hürden. Dies ist auch der Grund, warum die Ausgaben höher ausfielen, als zuvor geplant: Kleinteile, die vorher nicht mit eingeplant waren, waren recht teuer. So war zum Beispiel die Übersetzung vom Fahrrad zur Welle zu schwer und es mussten zusätzlich Teile eingekauft werden.

Graffiti-Workshop

Der Graffiti-Workshop wurde von den Teilnehmer*innen gut angenommen; unter der Anleitung einer erfahrenen Sprayerin wurde gemeinsam ein Motiv auf unsere legale Graffiti-Wand gesprüht. Das Motiv war ein großes „Workcamp 2012“ in verschiedenen Farben. Außerdem unterschrieben noch alle mit ihrem Namen (siehe Fotos). Während des Arbeitens gab es viele Nachfragen und Diskussionen zur Graffiti-Szene in der näheren Umgebung und es wurde sich auch über die Graffiti-Kultur in anderen Ländern ausgetauscht, sodass einige Teilnehmer*innen eigene Erfahrungen und Kenntnisse mit einbringen konnten.

Film-Workshop

Zum Workcamp ist ein kleiner Film entstanden, der von den Teilnehmer*innen selbst aufgenommen und auch – unter Anleitung – geschnitten wurde. Es fand sich eine handvoll Interessierte, die sich eine Einweisung in die Bedienung der Kamera geben ließen und je nach Lust untereinander tauschten. Da in der ersten Woche leider die Kamera kaputt war und eine neue erst in der zweiten Woche organisiert werden konnte, gibt es nur Filmmaterial von der zweiten Woche und dem Bau des Fahrradkinos.

Fotoworkshop

Einige der Teilnehmer*innen hatten – wie in der Ausschreibung für das Workcamp auch beschrieben – ihre Analog-Kameras mitgebracht. Ein kundiger Fotograf erklärte die chemischen und physikalischen Parameter der analogen Fotografie. In unserer Dunkelkammer konnten dann die Filme und Negative selbst von den Teilnehmer*innen entwickelt werden.

Im Rahmen des Workcamps entstand auch ein kleines Video. Was man sich hier auch gerne ansehen kann.

 

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Gastartikel zu unpolitischen OI und Deutschrock

Im POLIS ist ein guter Artikel von Christoph Schulze und Michael Weiss erschienen über unpolitischen OI und Deutschrock. Beide arbeiten für das Antifaschistische Pressearchiv und Bildungszentrum (apabiz) in Berlin und veröffentlichten zum Thema weitere Artikel im Antifaschistischen Infoblatt.

Der Artikel ist gut und deshalb wollen wir ihn euch nicht vorenthalten. Zum Artikel (PDF)

Die kompletten sechsten Ausgabe der POLIS findet ihr hier.

Viel Spaß beim Lesen

eurer Hortekollektiv

Kein Bock auf die Durstigen Nachbarn

Schon seit einer Weile diskutieren wir über Bands, die sich selbst als „unpolitisch“ bezeichnen und wir müssen zugeben, dass wir in der Vergangenheit mit der Auswahl der Bands auf unseren Konzerten recht lasch umgegangen sind. So spielte im Jahr 2011 die Band „Durstige Nachbarn“ im Horte.

Ihr im Dezember veröffentlichtes Video „Scheiß auf eure Welt!“ ist für uns ein Anstoß, sich zu der Band zu äußern. Anhand des Videos wird deutlich, dass die Band ein selbsternannt „unpoltisches“ Weltbild vertritt.

Die Kernaussage im Video ist das pseudorebellische „Gegen alles Gegen jeden“ und das „Wir sind nicht Rechts wir sind nicht Links“ darf natürlich auch nicht fehlen. Die Welt wird als „abnormal“ angesehen, was wohl heißt dass die Band selbst normal sein muss inklusive heteronormativer Grütze und männlicher Ästhetik. Die Unfähigkeit zur kritischen Selbstbetrachtung wird mit der äußerst männlich vorgetragenen „Sei du selbst und gehe deinen eigenen Weg“ – Rhetorik verwechselt. So kann jede Kritik schnell als „ihr wollt uns ja nur unsere Meinung verbieten“ abgetan werden.

Wer eine „Good Night White Pride“ Fahne aufhängt und gleichzeitig auch „gegen links Stellung bezieht“ vollführt den guten alten oh-gott-bloß-nicht-als-links-gelten-sonst-lassen-wir-uns-von-Ideologie-vereinnahmen-und-können-nicht-mehr-selbstständig-denken-Eiertanz. Dass das ach so selbstständige Denken dabei gegen Kritik immun und gleichzeitig so stockkonservativ ist, dass man kotzen möchte, wird dabei wie so oft übersehen.

( Facebook Seite der Durstigen Nachbarn)

Bei allen Bemühungen, sich als unbequem, hinterfragend und eigenständig denkend darzustellen, reproduziert die Band „Durstige Nachbarn“ doch nur die konservativsten Inhalte einer Gesellschaft, die sie ja so hassen. Selbst die Geschichte, die in dem Video erzählt wird und ein Statement gegen rechts sein soll (ein Neonazi erkennt seine Irrtümer und gibt sein rechtes Leben auf) wird zur hohlen Phrase. Ohne den „die da oben verarschen uns nur“ Spirit würden sie CDU wählen.

Wir werden in Zukunft stärker darauf achten, welche Bands bei uns auftreten. Wir haben keine Lust auf sexistische, homophobe, antisemitische, nationalistische und rassistische Texte. Genauso wenig haben wir Lust, Bands die sich unter dem Label unpolitisch sehen eine Auftrittsplattform für ihr muskelprotzendes Gejammere zu bieten.

Euer Horte Kollektiv

So schön war die Open Stage

Die 1. Oppen Stage des Jahres war ein Anziehungspunkt für eine Vielzahl von Künstlern* wie den Wundabunten Straßenpunka (Liedermacher), Magie MC (Freestyle Hip Hop), Suppe (Poetry), E – Gitarristen / Bassiten, Schlagzeugern* (zum Teil von der Band Piraten Pabst)und weiteren Einzelpersonen. Vielfallt, Humor, nachdenklichen Texten und Tanzmusik gab es den Abend zu erleben.

Die frohe Stimmung bewegte zum Mitsingen und Tanzen. Keine Musik aus der Konserve. Alles selbstgemacht und das Live.

Daran wollen wir festhalten und planen daher die nächste Open Stage zu der wir euch einladen. Am 15.März ist es dann auch wieder so weit und das Programm liegt mit in eurer Hand. Der musikalische Beitrag, das selbstgeschriebene Gedicht, das Theaterstück oder der BWL Vortrag (das ist natürlich ein Scherz) könnten den Abend über statt finden. Für technischen Support sorgen wir wie im Ankündigungstext zur 1. Open Stage beschrieben, alles weitere liegt bei euch und für Fragen sind wir zu haben. 

Mietvertrag unterzeichnet zum Jahreswechsel

Liebe Leser*

Ein harte und unglaublich kraftraubende Zeit liegt hinter uns. In diesem Jahr endete das Mietverhältnis mit der Stadt Strausberg für das Alternative Jugendprojekt. Fristgerecht kündigte die Stadt den seit 15 Jahren bestehenden Vertrag.

Wir dachten schon die Stadt würde das verpennen, spekulierten sogar noch weiter während wir uns auf die Auseinandersetzung mit der Stadt vorbereiteten. Als es zu den Verhandlungen kam waren wir gefasst und entschlossen für alle Nutzer* einzustehen und das möglichste herauszuholen.

Wir lernten viel in dieser Zeit, über uns, über die Pollitik und die Spielweisen von Verwaltungen. Wenn wir das ein oder andere mal nicht so präsent waren, bitten wir das zu entschuldigen. Auch wir mussten erst einmal selber lernen wie mit uns gespielt wird.

Ehrlich gesagt gibt es gemischte Gründe für allerlei Gefühle. Enttäuschung, Wut und Freude nur mal als einige zu nennen. Wir haben gekämpft, bis es aus unserer Sicht nicht mehr ging. Das Ergebnis dieses Kampfes ist, dass das Horte weitere zehn Jahre bleibt. Am 27.12.2012 wurden die neuen Verträge unterzeichnet.

Das erworbenne Wissen teilen wir gern, nur lasst uns erst einmal zu Luft kommen. Besucht uns mal in Strausberg und meldet euch falls ihr ähnliche Probleme habt. und darüberhinaus kollektive Grüße von eurem Horte