Chronik rechter Vorfälle 2025

Die Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt Märkisch-Oderland registrierte für das Jahr 2025 insgesamt 312 rechte Vorfälle im Landkreis. Mit 26 Angriffen sowie weiteren schweren Bedrohungen zählt Märkisch-Oderland die meisten rechten Gewaltvorfälle im Jahr 2025 in ganz Brandenburg. Angriffe auf politische Gegner*innen und eine engagierte Zivilgesellschaft sind ebenso wie eine queerfeindlich motivierte Angriffsserie im Sommer 2025 Grund für diese  alarmierenden Zahlen.

Von den insgesamt 26 Angriffen waren 17 queerfeindlich motiviert. Ein Gruppe junger Männer hatte über Dating-Apps schwule Männer zu einem Treffen gelockt, diese dort Überfallen, ausgeraubt und homophob beleidigt. In rechten Kreisen sind diese Art von Angriffen unter dem Begriff „Pedo-Hunting“ bekannt.

Fünf  weitere Angriffe waren rassistisch motiviert und drei Angriffe richteten sich gegen politische Gegner*innen. Hierunter fällt auch der Angriff auf die Kundgebung „Bad Freienwalde ist bunt“ im Juni vergangenen Jahres mit mehreren Verletzten. Der Angriff in Bad Freienwalde im Juni 2025 stellte dabei eine besondere Eskalationsstufe dar. Der durch mehrere Personen koordinierte und durchgeführte Angriff auf eine angemeldete Veranstaltung zeigt, wie professionell und organisiert die Rechte ist. Die Gesamtzahl der Vorfälle hat eine leicht steigende Tendenz. Im Kontext den Superwahljahres 2024 wurden zwar mehr Vorfälle insgesamt registriert, jedoch stellt die Anzahl der Angriffe einen neuen Höchststand dar.

„Die Zahlen geben nicht nur ein rechte Vorfälle wieder, sondern zeigen auch eine aktive Zivilgesellschaft vor Ort, die dieses Geschehen aufnimmt, meldet und dem etwas entgegensetzt. Dies führt allerdings auch dazu, dass die Zivilgesellschaft und ihre Orte vermehrt in den Fokus rechter Aktivitäten rücken“ so Tom Kurz, ehrenamtlich in der Beratungsstelle aktiv.

Mit 113 Vorfällen in Strausberg ist die Stadt am See weiterhin rechter Hotspot rechter Gewalt und Propaganda. 14 der 26 Angriffe wurden in Strausberg verübt. Die gesamte S5-Region macht die Hälfte der erfassten Vorfälle aus. Eine hohe Bevölkerungsdichte und Mobilität, aber auch die Anbindung an alte und neue rechte Strukturen in der Region und in Berlin führen zu den hohen Zahlen. 

Ebenso alarmierend ist die Verstetigung von rechten Schmierereien, vor allem Hakenkreuzen. 40 Hakenkreuzschmierereien wurden 2025 aufgenommen. Diese reichen von kleinen Schmierereien an Laternen, bis hinzu 5x5m großen Hakenkreuzen auf Fahrbahnen. Hakenkreuzschmierereien, rechte Parolen und Sticker führen dazu, das rechte Propaganda im ganzen Landkreis präsent sind und alltäglich werden. 

Treiber hinter den Entwicklungen ist ein rechter Jugendmainstream, der sich teils am Stil der Neonazis aus den 90er Jahren anlehnt, diesen erneuert und mit modernen Elementen vor allem aus der Aktions- und Erlebniswelt des Fußballs verbindet. Dabei sind vor allem Queerfeindlichkeit und die Markierung „der Antifa“ als politischer Feind ein bindendes Element und ideologischer Einstieg für Jugendliche. 

Die ehrenamtliche Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt Märkisch-Oderland (BOrG) wurde 2002 von Mitgliedern des Alternativen Jugendprojektes 1260 e. V. in Strausberg gegründet. Sie dokumentiert rechte Vorfälle im Landkreis, informiert zu extrem rechten Erscheinungsformen und bietet eine Erstberatung für (potenziell) Betroffene rechter Gewalt an.

Die vollständige Chronik steht hier zum Download bereit: